Wendelinskapelle

Wertvolles Baudenkmal in Privatbesitz

Die Wegkapelle St. Wendelin gilt unter Fachleuten als ein sehr  wertvolles Baudenkmal. Der sakrale Kleinbau ist der einzig erhaltene aus dem Spätmittelalter im Kanton Zug. Die Kapelle wird 1520 erstmals in einem Zinsrodel des Klosters St. Blasien urkundlich erwähnt. Ob sie auch, wie die Neuheimer Pfarrkirche, in den Wirren der Reformationskriege Schaden genommen hat, ist uns nicht bekannt. Im Jahre 1926 wurde sie aus dem Neuheimer Kirchenbesitz herausgelöst und dem Hof Hinterburg übertragen. Die Unterhaltspflicht oblag jedoch seit alters her den Besitzern des Hofes Hinterburg. Familie Ulrich hat 1978 die Kapelle, in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege, einer aufwändigen und sorgfältigen Restauration unterzogen.

Innenausstatung

Die Wendelinskapelle birgt als wertvolles Ausstattungsstück das Mittelteil eines Renaissance-Altars: Das auf Holz gemalte Bild zeigt die Muttergottes zwischen St. Wendel und St. Notburga unter einem von Putten gehaltenen Vorhang. Die Figuren stehen wie Statuen nebeneinander und erinnern an gotische Schreinaltäre. Auf Seitenflügeln finden sich die heilige Ottilia und die heilige Appolonia. Die Malereien werden dem Zuger Maler  Paul Stocker zugeschrieben. Dieser Maler hat auch die Deckenmalerei des Festsaales im Zuger Zurlaubenhof als sein Werk hinterlassen.

Auch das zweite Gemälde der Kapelle St. Wendelin weckt das Interesse von Fachleuten. Es ist ein Bild des Grabes Christi, gemalt zwischen 1744 und 1747, nach dem berühmten Vorbild Holbeins. Aktenkundig ist, dass der Neuheimer Kirchenrat damals einer nicht genannten Malerin den Auftrag für ein Heiliggrab in der Pfarrkirche erteilt hat. Es wird vermutet, dass das Heiliggrab später bei einer Renovation entfernt und lediglich das Bild des toten Christus in der Wendelinskapelle einen neuen Standort erhielt.

Nicht verschont geblieben ist die Kapelle vor Verlusten. Es fehlt ein Bild Mariens zwischen Anna und Joachim, sowie eine Piéta. Ob die wieder aufgetauchte und zurückgekaufte Piéta aus dem Besitz der Neuheimer Pfarrkirche mit der vermissten aus  der Wendelinskapelle identisch ist, ist unklar. Möglich wäre, dass die Piéta während der Reformationskriege aus der Pfarrkirche in Sicherheit, das heisst in die Wendelinskapelle gebracht worden wäre. 

Votivbildchen bezeugen, dass die Heiligen in der Wendelinskapelle von der Bevölkerung um Hilfe angerufen wurden. Drei noch vorhandene Danksagungen gelten der heiligen Ottilia. Die Heilige wird bei Zahnleiden angerufen.

Wir sind der Familie Ulrich, Hinterburg, zu Dank verpflichtet, dass sie dieses wertvolle Kulturgut pflegen und damit unserer Nachwelt erhalten.

Kurzprotokoll Tugium 1991: Ausführlicher wissenschaftlicher Bericht
Kurzprotokoll Geschichte der Kapelle, undatiert