Die Pfarrkirche Maria Geburt

Alte Eigenkirche
Die Pfarrkirche zu Neuheim wird 1173 erstmals als Eigenkirche des Stiftes St. Blasien im Schwarzwald erwähnt. Um Mitte des 15. Jahrhunderts wurde sie neu erbaut und 1504 zu Ehren der seligsten Jungfrau Mariens vom Bischof zu Konstanz eingeweiht. Im Jahre 1512 übernahm die Gemeinde am Berg mit dem Kirchensatz die Unterhaltspflicht der Kirche. Das Gotteshaus wurde während des 2. Kappelerkrieges schwer beschädigt, jedoch wieder hergestellt. 1679 wurden die Gebeine des Katakombenheilige Bonifatius aus Rom erworben und verehrt. Der Heilige wurde vom Einsiedler Bruder Leonhard Dossenbach als Standfigur erstellt und mit Silbeschmuck versehen.

Deckengemälde
Die Deckengemälde des Schiffes wurden 1806 von Johannes Kaspar Moos gemalt.
Das mittlere Gemälde zeigt Maria Himmelfahrt, das östliche Rundbild die auf Wolken thronende Fides, Kelch und Kreuz in Händen haltend und herunterschauend auf die mit zwei Kleinkindern beschäftigte Caritas und die vor dem Sockel mit Putto und Anker auf Wolken schwebende, emporblickende Spes. Ueber der Empore findet sich die allegorische Frauengestalt der Eclesia. Das Deckenbild im Chor wurde 1922 vermutlich von Josef Heimgartner gemalt und thematisiert das letzte Abendmahl. Vom gleichen Künstler stammen auch die Bilder des hl. Franz Xaver und des hl. Ignatius an den Seitenwänden des Chores. Beim Kanzelaufgang findet sich das Bild des hl. Antonius von Padua vor einer Hafenkulisse, signiert mit „C. Wolff Muos fecit 1695“. Auf der gegenüberliegenden Seite findet sich ein von Clemens Weber 1767 gemaltes Bild, welches den Tod des hl. Josef mit Jesus und Maria am Sterbebett zeigt. Ein weiteres Bild von Kaspar Wolfgang Muos zeigt den Abschied Jesu von Maria und Martha in Bethanien.


Pfarrkirche als Wallfahrtsort
Hoch- und Seitenaltäre, der Taufstein sowie die Kanzel wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts von Johann Moosbrugger mit seinem Sohn Leopold gefertigt.

Die Neuheimer Pfarrkirche war über Jahrhunderte ein bekannter Wallfahrtsort. Das entsprechende Gnadenbild, ein auf einer Wolken thronende Maria mit Jesuskind, befindet sich im linken Seitenaltar. Die entsprechenden Votivtafeln sind im Zuge der Renovation von 1880 aus der Kirche entfernt worden. Über dem linken Seitenaltar findet sich ebenfalls eine Statue der hl. Barbara. Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Bonifatius geweiht. Anstelle des Heiligen steht heute jedoch der hl. Petrus.

Die Pfarrkirche Maria Geburt wurde letztmals 1963/64 einer umfassenden Innenrenovation unterzogen. Sie steht heute unter Denkmalschutz.

Autor: Alois Doswald, Pfarreirat  350-Jahr Jubiläum der Pfarrkirche, Chronik
Autor: Alois Doswald, Pfarreirat  350-Jahr Jubiläum der Pfarrkirche, Bericht im Pfarreiblatt
Autor: Alois Doswald, Pfarreirat  Detaillierte Beschreibung der Kulturgüter (2MB) erstellt vom Pfarreirat 2009 anlässlich des Projektes "Offni Chile"

Am 28. November 2010 hat Weihbischof Martin Gächter die Pfarrkirche nach Restaurationsarbeiten und Neugestaltung des Chorraumes neu eingesegnet.

Weihnacht 2011

 

Kirchturm

Bericht von M.Schwarz, Gemeindeleiterin a.i. Dokument wurde anlässlich der Aussenenovation von 2002 in die Turmkugel der Pfarrkirche gelegt:

Das Glockengeläut

 

    

Glocke 1: Joseph- oder Totenglocke
                   Durchmesser=142 cm, 1'782 kg, Ton=d, Glockengiesserei Ruetschi, Aarau 1902:
                   "Vivos Voco Mortuos Plango Festa Colo"                 (
Lebende rufe ich, Tote beklage ich, Feste feiere ich)

Glocke 2: Wetterglocke
                  Durchmesser=117 cm, Ton=f,
                 
Fussa et exaltata sum anno MDCCLV"                 (Gegossen und aufgezogen 1755)

                  "Per te fructum vitae communicavimus"                 (Durch dich haben wir die Frucht des Lebens)"
                  "Bene faciens nobis de coelo"                                 (Uns Gutes machend vom Himmel)
                  "
Ecce crucem Domini!  Fugite, partes adversa[e]" (Sieh das Kreuz des Herrn! Fliehet, ihr feindlichen Mächte!)
                  "Ave Maria gratia plena"                                          (Sei gegrüsst, Maria, voll der Gnade)
                   

                 Pfarrei- und Kirchgemeindeleitung:
                 - Franc Antonius Uttiger,
Parochus      (Pfarrer)      
                 -
Caspar Joseph Hegglin Sacellanus   (Kaplan)
                 - Iohan Bapt. Zehnder, Senator           (Ratsherr)
                 - Josephus Ant. Schön Eccl. Tutor
                 - Christophorus Ruodi,Aedituus            (Sakristan)            


                 Peter Ludwig und Anton Keisseren haben mich gegossen in Zug

Glocke 3: Johannes- oder Marienglocke  (Angelusglocke)
                 Durchmesser=97 cm, 547 kg, Ton=as, Glockengiesserei Ruetschi, Aarau, 1902
                "Angelus Domini nuntiavit Mariae et concepit de Spiritu sancto"
                (
Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist.)

Glocke 4: Karl Borromaeus-Glocke
                 Durchmesser=86 cm, 395 kg, Ton=b, Glockengiesserei Ruetschi, Aarau, 1902
                "Ecce ancilla Domini fiat mihi secundum verbum tuum"
                (
Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.)

Glocke 5: Kleine Glocke
                 Durchmesser=77 cm, Ton=des, gegossen von Joseph und Bonifaz Walpen, Reckingen VS, Anno 1803
                 
"Ave Maria gratia plena Dominus tecum et verbum caro factum est"  
                 (
Sei gegrüsst, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir und das Wort ist Fleisch geworden.)

Die „Betglocke“ von Neuheim stammte aus dem Jahre 1578. Sie sprang im Jahre 1901.


Seit Einführung des Festes Maria Heimsuchung im 14. Jahrhundert ist es in in der Römisch Katholischen Kirche Brauch, dass 3 Mal täglich zum sogenannten „Englische Gruss“ geläutet wird. So klingen die Glocken um 6 Uhr morgens, 12 Uhr mittags und 18 Uhr abends. „Englischer Gruss“ steht in Zusammenhang mit dem Verkündigungsengel, welcher Maria die Botschaft von der Geburt Jesu überbrachte. Damit soll im Gebetet drei Mal täglich an die Menschwerdung Jesus Christus erinnert werden. Die Protestantische Kirche lehnte diese Symbolik des Glockengeläutes ab. Da dasselbe jedoch auch gleichzeitig eine Richtlinie bildete für diejenigen Leute welche keine Uhr besassen, wurden die Glocken früher in protestantischen Dörfern um eine Stunde vorverschoben und als Aufwachzeit 05.00 Uhr, Mittagszeit um vom Feld nach Hause zu gehen 11.00 Uhr und Feierabend / Stallzeit 17. 00 Uhr verwendet.